NEUROLOGIE MIT HERZ
Modern. Ganzheitlich. Einfühlsam.

1. Was ist Teriflunomid? Teriflunomid ist ein oral einzunehmender Wirkstoff zur Behandlung der schubförmig-remittierenden Multiplen Sklerose. Es gehört zu den immunmodulierenden Arzneimitteln, die darauf abzielen, krankheitsbedingte Entzündungsprozesse im zentralen Nervensystem zu verringern. Der Wirkstoff ist chemisch ein Pyrimidinsynthesehemmer und wurde entwickelt, um die Aktivität bestimmter Immunzellen zu begrenzen, die bei der Multiplen Sklerose Fehlreaktionen auslösen. Teriflunomid ist für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren zugelassen und steht unter anderem unter den Handelsnamen Aubagio und Teriflunomide Accord zur Verfügung.

2. Wie wirkt Teriflunomid? Der Wirkstoff hemmt das Enzym Dihydroorotat-Dehydrogenase, das für die Herstellung bestimmter Bausteine der DNA in aktivierten Lymphozyten notwendig ist. Dadurch wird die Vermehrung jener Immunzellen reduziert, die an Schüben und entzündlichen Veränderungen im Nervensystem beteiligt sind. Ruhende Zellen bleiben weitgehend unbeeinflusst, was Teriflunomid zu einer gezielten immunmodulierenden Therapie macht. Durch diese Wirkweise lässt sich die Schubrate senken und der Verlauf der Erkrankung stabilisieren.

3. Wann wird Teriflunomid eingesetzt? Das Medikament wird bei Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose eingesetzt, bei denen wiederkehrende Krankheitsschübe mit vorübergehenden neurologischen Ausfällen auftreten. Es eignet sich insbesondere für Personen mit milder bis moderater Krankheitsaktivität und stabiler Leberfunktion. Darüber hinaus ist es eine Option für Patienten, die eine einfache orale Therapie bevorzugen. Außerhalb dieser zugelassenen Anwendung bestehen derzeit keine etablierten Off-Label-Indikationen.

4. Wie wird Teriflunomid eingenommen? Die Standarddosis beträgt einmal täglich vierzehn Milligramm. Die Tablette ist nicht teilbar und sollte nicht zerkleinert werden, da sie einen speziellen Filmüberzug besitzt, der eine sichere Anwendung gewährleistet. Die Einnahme erfolgt unabhängig von den Mahlzeiten. Teriflunomid hat eine lange Halbwertszeit von rund achtzehn bis neunzehn Tagen, sodass es sich im Körper anreichert und nur langsam abgebaut wird. Bei Bedarf, etwa bei schweren Nebenwirkungen oder Kinderwunsch, kann eine beschleunigte Ausscheidung mit Cholestyramin oder Aktivkohle eingeleitet werden.

5. Welche Nebenwirkungen können auftreten?  Teriflunomid kann unterschiedliche Nebenwirkungen verursachen. Häufig treten Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Haarausfall und erhöhte Leberwerte auf. In seltenen Fällen kann es zu schweren Hautreaktionen oder einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse kommen. Zu den schweren Risiken zählen Leberschäden, Infektionen sowie eine periphere Neuropathie, die sich durch Kribbeln oder Taubheitsgefühle äußern kann. Warnzeichen wie Gelbsucht, dunkler Urin, anhaltendes Fieber oder neue neurologische Symptome sollten umgehend ärztlich abgeklärt werden.

6. Wer sollte Teriflunomid nicht einnehmen? Das Medikament ist kontraindiziert bei schweren Leberfunktionsstörungen, ausgeprägter Immunsuppression oder Erkrankungen des Knochenmarks, akuten schweren Infektionen sowie während Schwangerschaft und Stillzeit. Aufgrund seines teratogenen Potenzials ist eine Anwendung in der Schwangerschaft streng verboten. Frauen im gebärfähigen Alter müssen eine zuverlässige Verhütung anwenden. Auch eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder Hilfsstoffe schließt die Einnahme aus.

7. Welche Wechselwirkungen sind möglich? Teriflunomid kann mit verschiedenen Arzneimitteln interagieren. Es hemmt das Enzym CYP2C8, wodurch bestimmte Medikamente wie Repaglinid stärker wirken können, und induziert CYP1A2, wodurch unter anderem die Wirkung von Theophyllin abgeschwächt sein kann. Die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmittel kann verändert sein, weshalb eine zusätzliche Absicherung sinnvoll sein kann. Warfarin kann in seinem Gerinnungseffekt beeinflusst werden, sodass die INR-Werte engmaschig kontrolliert werden müssen. Lebendimpfstoffe sollen während der Behandlung vermieden werden.

8. Wie wird die Behandlung überwacht? Vor Beginn der Therapie werden Leberwerte, Blutbild und Blutdruck überprüft sowie ein Tuberkulose-Screening und bei Frauen ein Schwangerschaftstest durchgeführt. Während der Behandlung erfolgen regelmäßige Kontrollen der Leberfunktion und des Blutbildes, da insbesondere die Leber empfindlich reagieren kann. Auch der Blutdruck wird fortlaufend überwacht. Klinische Beobachtungen hinsichtlich Infektionszeichen oder neurologischer Veränderungen gehören ebenfalls zur Routineüberwachung.

9. Wie schnell und wie lange wirkt Teriflunomid? Durch die lange Halbwertszeit baut sich die Wirkung allmählich auf, häufig über mehrere Wochen hinweg. Die volle therapeutische Stabilisierung kann erst nach einiger Zeit erreicht werden. Gleichzeitig bleibt der Wirkstoff lange im Körper, auch nach Absetzen. Daher wirken Vorteile wie auch potenzielle Risiken vergleichsweise lange nach. Die beschleunigte Elimination steht zur Verfügung, wenn aus medizinischer Sicht eine rasche Entfernung des Wirkstoffs notwendig ist.

10. Was ist bei der Verordnung zu beachten? Für die Verordnung zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung muss eine gesicherte Diagnose der schubförmig-remittierenden Multiplen Sklerose vorliegen. Gleichzeitig müssen Kontraindikationen ausgeschlossen und die erforderlichen Basisuntersuchungen dokumentiert sein. Durch die teratogene Wirkung sind Verhütungshinweise zwingend zu vermitteln. Der Patient sollte umfassend über Risiken, Kontrollintervalle und mögliche Langzeitwirkungen aufgeklärt werden.

11. Welche Alternativen gibt es? Zu den therapeutischen Alternativen zählen andere immunmodulierende Medikamente wie Dimethylfumarat, Glatirameracetat, Interferon-beta-Präparate oder Fingolimod. Die Wahl einer Alternative hängt von der Krankheitsaktivität, dem individuellen Risikoprofil und der bisherigen Therapieerfahrung ab. Teriflunomid wird typischerweise bei mild bis moderat verlaufender Erkrankung eingesetzt, während bei höherer Aktivität wirksamere, aber auch risikoreichere Medikamente erwogen werden.

12. Wie wirksam ist Teriflunomid? Die Wirksamkeit zeigt sich vor allem in der Reduktion von Schüben und in der Verlangsamung entzündlicher Krankheitsprozesse. Studien und klinische Erfahrung belegen, dass Teriflunomid die Krankheitsaktivität zuverlässig reduzieren kann, insbesondere bei Patienten, deren MS nicht besonders aggressiv verläuft. Die orale Einnahme fördert die Therapietreue und begünstigt eine stabile Langzeitbehandlung.

13. Welche Risiken bestehen? Die wichtigsten Risiken sind Leberfunktionsstörungen, teratogene Effekte, Infektionsanfälligkeit und die Möglichkeit einer peripheren Neuropathie. Aufgrund der langen Verweildauer im Körper können Nebenwirkungen auch nach Absetzen fortbestehen. Die konsequente ärztliche Überwachung ist daher ein essenzieller Bestandteil der Therapie. Rote-Hand-Briefe weisen zusätzlich auf potenziell schwerwiegende Komplikationen hin und unterstreichen die Notwendigkeit einer vorsichtigen und strukturierten Anwendung.