NEUROLOGIE MIT HERZ
Modern. Ganzheitlich. Einfühlsam.


1. Was ist Ofatumumab? Ofatumumab ist ein moderner, gezielt wirkender Antikörper, der zur Behandlung bestimmter Formen der Multiplen Sklerose eingesetzt wird. Er gehört zu den sogenannten monoklonalen Antikörpern und ist darauf ausgelegt, bestimmte Zellen des Immunsystems zu beeinflussen, die eine Rolle bei der Entstehung von MS spielen. Der Wirkstoff wird unter dem Namen Kesimpta® speziell für MS angeboten. Für andere Erkrankungen wie die chronische lymphatische Leukämie gibt es denselben Wirkstoff unter einem anderen Namen, jedoch unterscheidet sich dort Art und Dosierung der Anwendung. Für MS-Patienten ist Ofatumumab eine Therapie, die zu Hause selbst angewendet werden kann und darauf abzielt, die Häufigkeit von Schüben und neue Entzündungsherde im Gehirn zu reduzieren.

2. Wie wirkt Ofatumumab? Ofatumumab wirkt, indem es ein bestimmtes Oberflächenprotein namens CD20 auf B-Zellen erkennt und bindet. Diese Zellen sind ein Teil des Immunsystems, spielen jedoch bei MS eine fehlgeleitete Rolle, da sie entzündliche Prozesse fördern und zur Schädigung der schützenden Myelinschicht der Nerven beitragen. Durch das gezielte Ausschalten dieser B-Zellen wird die Entzündungsaktivität im Körper deutlich reduziert. Der Wirkmechanismus ähnelt anderen modernen MS-Medikamenten, allerdings erfolgt die Behandlung hier durch kleine monatliche Injektionen, die das Immunsystem gleichmäßig beeinflussen und ein stabiles Wirkprofil erzeugen.

3. Wann wird Ofatumumab eingesetzt? Ofatumumab wird eingesetzt, wenn eine aktive schubförmige Multiple Sklerose vorliegt. Aktiv bedeutet, dass in den vergangenen Monaten Schübe aufgetreten sind oder die Bildgebung in der MRT neue entzündliche Veränderungen zeigt. Die Therapie eignet sich sowohl für Patienten, die neu diagnostiziert wurden, als auch für diejenigen, die bereits andere Medikamente ausprobiert haben, diese aber nicht ausreichend vertragen oder wirksam fanden. Ofatumumab gilt als wirksame Option innerhalb der krankheitsmodifizierenden MS-Therapien und wird gerne gewählt, wenn eine hochwirksame, aber gleichzeitig alltagsfreundliche und selbstständig anwendbare Behandlung gewünscht wird.

4. Wie wird Ofatumumab eingenommen? Ofatumumab wird nicht geschluckt, sondern als kleine Injektion unter die Haut verabreicht, ähnlich wie bei Insulin. Die Anwendung erfolgt über einen Fertigpen oder eine Fertigspritze. Zu Beginn der Therapie gibt es eine sogenannte Startphase, bei der die ersten drei Dosen in den Wochen 0, 1 und 2 gegeben werden. Die eigentliche Dauertherapie beginnt dann ab Woche 4, in der einmal pro Monat injiziert wird. Viele Patienten können die Anwendung nach einer Einweisung durch medizinisches Fachpersonal problemlos zu Hause durchführen. Ein Vorteil besteht darin, dass keine Infusionsbehandlungen in einer Praxis oder Klinik notwendig sind. Die Injektion kann unabhängig von Mahlzeiten und Tageszeit erfolgen.

5. Welche Nebenwirkungen können auftreten? Wie jedes Medikament kann auch Ofatumumab Nebenwirkungen hervorrufen. Häufig treten leichte Infektionen vor allem der oberen Atemwege auf, beispielsweise Erkältungssymptome. Ebenfalls häufig sind Reaktionen an der Injektionsstelle, etwa eine vorübergehende Rötung, Schwellung oder Juckreiz. Einige Patienten berichten nach den ersten Injektionen über grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Müdigkeit oder Kopf- und Gliederschmerzen, die meist rasch wieder abklingen. Seltener können Harnwegsinfekte entstehen. Sehr selten, aber ernst zu nehmen, ist die Möglichkeit einer Reaktivierung einer früheren Hepatitis-B-Infektion, weshalb vor Therapiebeginn entsprechende Bluttests erfolgen. Grundsätzlich besteht wie bei allen immunmodulierenden Therapien ein erhöhtes Infektionsrisiko, das jedoch durch regelmäßige Kontrollen gut überwacht werden kann. 

6. Wer sollte Ofatumumab nicht einnehmen? Ofatumumab ist nicht geeignet für Menschen mit einer bekannten schweren Allergie gegen den Wirkstoff oder Bestandteile der Injektionslösung. Patienten mit schweren aktiven Infektionen, insbesondere einer bestehenden Hepatitis-B-Infektion, dürfen den Wirkstoff nicht erhalten. Bei schweren Immunschwächeerkrankungen oder anderen Medikamenten, die das Immunsystem stark beeinflussen, muss der Arzt individuell abwägen, ob der Einsatz sinnvoll und sicher ist. Während einer Schwangerschaft oder bei Kinderwunsch ist eine genaue Beratung nötig, da der Wirkstoff das Immunsystem des ungeborenen Kindes beeinflussen kann.

7. Welche Wechselwirkungen sind möglich? Spezifische Wechselwirkungen mit alltäglichen Medikamenten oder Lebensmitteln sind nicht bekannt. Wichtig ist jedoch, dass Ofatumumab das Immunsystem beeinflusst. Deshalb sollten andere immunsystemwirksame Medikamente nicht ohne ärztliche Absprache parallel eingenommen werden, da dies das Risiko schwerer Infektionen erhöhen kann. Impfungen sollten in Abstimmung mit dem behandelnden Neurologen geplant werden, da bestimmte Impfstoffe während der Therapie weniger wirksam oder nicht empfohlen sein können.

8. Wie wird die Behandlung überwacht? Vor Beginn der Therapie erfolgt ein umfassender Gesundheitscheck. Dazu gehören ein Hepatitis-B-Test sowie eine MRT-Untersuchung, um den Ausgangspunkt der Erkrankung zu bestimmen. Während der Behandlung kontrolliert der Arzt regelmäßig den Gesundheitszustand und achtet besonders auf Anzeichen von Infektionen. Zudem erfolgen MRT-Kontrollen in individuell festgelegten Abständen, um zu beurteilen, wie gut die Therapie wirkt. Die Überwachung ist dafür gedacht, mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und den Behandlungserfolg zu sichern.

9. Wie schnell und wie lange wirkt Ofatumumab? Ofatumumab wirkt relativ schnell, da die betroffenen B-Zellen bereits in den ersten Wochen nach Therapiebeginn deutlich reduziert werden. Viele Patienten erleben eine frühe Stabilisierung ihrer Erkrankung. Die Wirkung hält an, solange die monatlichen Injektionen regelmäßig durchgeführt werden. Wird die Behandlung beendet, beginnen sich die B-Zellen nach einigen Monaten wieder zu erholen. Die langfristige Wirksamkeit ist gut untersucht, und Studien zeigen, dass die Therapie sowohl Schübe als auch neue entzündliche MRT-Läsionen deutlich reduzieren kann.

10. Was ist bei der Verordnung zu beachten? Ofatumumab darf nur von Fachärzten für Neurologie verordnet werden. Vor Beginn müssen Patienten ausführlich über Nutzen, Risiken und mögliche Alternativen aufgeklärt werden. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten, wenn die zugelassene Indikation vorliegt. Wichtig ist, dass der Patient bereit ist, die Therapie zuverlässig und regelmäßig anzuwenden, da die monatliche Injektion Voraussetzung für einen stabilen Behandlungserfolg ist.

11. Welche Alternativen gibt es? Es gibt verschiedene andere Medikamente, die bei schubförmiger MS eingesetzt werden können. Dazu gehören moderat wirksame Medikamente wie Teriflunomid oder Dimethylfumarat sowie andere hochwirksame Therapien wie Natalizumab und Ocrelizumab. Welche Therapie am besten geeignet ist, hängt vom Krankheitsverlauf, persönlichen Lebensumständen, Vorerkrankungen und individuellen Risiken ab. Im Vergleich zu anderen hochwirksamen Therapien bietet Ofatumumab den Vorteil der monatlichen Selbstanwendung zu Hause.

12. Wie wirksam ist es? Ofatumumab gehört zu den hochwirksamen MS-Therapien. Studien zeigen eine deutliche Reduktion der Schubrate, eine starke Verminderung neuer entzündlicher MRT-Läsionen und eine Verlangsamung des Fortschreitens der Behinderung. Die Wirksamkeit ist vergleichbar mit anderen modernen B-Zell-Therapien und wird von vielen Patienten als verlässlich wahrgenommen.

13. Welche Risiken bestehen? Die wichtigsten Risiken betreffen das Immunsystem, das durch die Therapie geschwächt werden kann. Dadurch steigt die Anfälligkeit für Infektionen. Sehr selten kann es zu einer Reaktivierung einer alten Hepatitis-B-Infektion kommen. Schwere allergische Reaktionen sind ebenfalls möglich, aber selten. Ein theoretisches Risiko für eine schwere Hirninfektion, die sogenannte PML, besteht wie bei anderen immunmodulierenden Therapien, wurde für Ofatumumab jedoch bisher nicht beobachtet. Generell gilt Ofatumumab als gut verträgliche Therapie, wenn die regelmäßigen Sicherheitskontrollen eingehalten werden.