NEUROLOGIE MIT HERZ
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1. Was ist Dimethylfumarat? Dimethylfumarat ist ein Arzneimittel, das zur Behandlung der schubförmig-remittierenden Multiplen Sklerose eingesetzt wird. Es handelt sich um einen Wirkstoff aus der Gruppe der immunmodulierenden Therapien. Ursprünglich wurde er in der Dermatologie zur Behandlung der Schuppenflechte verwendet. Später zeigte sich, dass Dimethylfumarat auch bei Autoimmunprozessen im zentralen Nervensystem eine regulierende Wirkung hat. Heute zählt es zu den etablierten oralen Basistherapien bei Multipler Sklerose.

2. Wie wirkt Dimethylfumarat? Dimethylfumarat wirkt, indem es den sogenannten Nrf2-Signalweg aktiviert. Dieser Signalweg spielt eine wichtige Rolle bei der Abwehr von oxidativem Stress und bei der Regulation entzündlicher Prozesse. Durch die Aktivierung von Nrf2 werden körpereigene Schutzmechanismen in Nervenzellen gestärkt, was dazu führt, dass Entzündungsreaktionen gedämpft und Schäden an Nervenstrukturen reduziert werden. Zudem beeinflusst Dimethylfumarat bestimmte Immunzellen, sodass diese weniger aktiv an Entzündungsprozessen im Gehirn und Rückenmark teilnehmen. Insgesamt trägt die Therapie dazu bei, die Häufigkeit von Schüben zu verringern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

3. Wann wird Dimethylfumarat eingesetzt? Dimethylfumarat wird zur Behandlung der schubförmig-remittierenden Multiplen Sklerose eingesetzt. Es eignet sich insbesondere für Patienten, die eine wirksame und gut praktikable orale Therapie wünschen. In der Regel wird es dann eingesetzt, wenn die Erkrankung aktiv ist, aber keine Merkmale einer hochaggressiven Verlaufsform zeigt. Es kann sowohl bei neu diagnostizierten Patienten als auch bei solchen angewendet werden, die von einer vorherigen Therapie auf Dimethylfumarat wechseln möchten.

4. Wie wird Dimethylfumarat eingenommen? Die Einnahme erfolgt zweimal täglich in Form von magensaftresistenten Kapseln. Zu Beginn wird meist eine niedrigere Dosis über eine Woche gegeben, um den Körper an den Wirkstoff zu gewöhnen. Danach wird auf die volle Erhaltungsdosis gesteigert. Die Kapseln sollten unzerkaut mit etwas Wasser und möglichst während oder nach einer Mahlzeit geschluckt werden, da dies Magenbeschwerden und das typische Wärmegefühl, den sogenannten Flush, verringern kann. Die Kapseln dürfen nicht geöffnet, zerkaut oder geteilt werden, da der besondere Überzug für die verträgliche Aufnahme wichtig ist.

5. Welche Nebenwirkungen können auftreten? Zu Beginn der Behandlung kommt es häufig zu Flush-Reaktionen mit Rötung und Wärmegefühl der Haut sowie zu Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit oder Durchfall. Diese Beschwerden lassen meist nach wenigen Wochen deutlich nach. Im Verlauf kann Dimethylfumarat die Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen, insbesondere der Lymphozyten, verringern. Eine ausgeprägte Verminderung dieser Zellen kann das Risiko für Infektionen erhöhen und muss ernst genommen werden. Sehr selten kann es durch eine langfristig stark reduzierte Lymphozytenzahl zu einer schweren Gehirninfektion, der sogenannten progressiven multifokalen Leukoenzephalopathie, kommen. Ebenso können Leberwerte erhöht sein, was im Rahmen der regelmäßigen Kontrollen überwacht wird. Bei ungewöhnlichen oder lang anhaltenden Symptomen sollte immer ein Arzt informiert werden.

6. Wer sollte Dimethylfumarat nicht einnehmen? Dimethylfumarat sollte nicht eingenommen werden, wenn schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörungen vorliegen oder eine bekannte Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff besteht. Während der Schwangerschaft wird die Einnahme nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung empfohlen, da ein Risiko für das ungeborene Kind nicht ausgeschlossen werden kann. Auch in der Stillzeit sollte Dimethylfumarat nur nach ärztlicher Beratung angewendet werden. Für Menschen mit schweren Infektionen oder ausgeprägter Immunsuppression ist die Therapie ebenfalls nicht geeignet.

7. Welche Wechselwirkungen sind möglich? Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind selten, da Dimethylfumarat nicht über die üblichen Leberenzymsysteme abgebaut wird. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn gleichzeitig andere Medikamente eingenommen werden, die das Immunsystem beeinflussen. In solchen Fällen kann die Gefahr für Infektionen steigen. Größere Mengen Alkohol können Magen-Darm-Nebenwirkungen verstärken und sollten vermieden werden. Grundsätzlich sollte die Einnahme anderer Arzneimittel immer mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.

8. Wie wird die Behandlung überwacht? Vor Beginn der Therapie werden Blutwerte, insbesondere die Lymphozytenzahl, sowie Leber- und Nierenfunktion überprüft. Während der Behandlung finden regelmäßige Blutuntersuchungen in Abständen von wenigen Monaten statt. Dadurch kann frühzeitig erkannt werden, ob die Zahl der Lymphozyten zu stark abfällt oder die Leberwerte sich verändern. Bei länger anhaltenden niedrigen Lymphozytenwerten kann eine Therapiepause oder ein Therapieende notwendig werden. Zusätzlich wird der Krankheitsverlauf regelmäßig klinisch und durch MRT-Untersuchungen beurteilt.

9. Wie schnell und wie lange wirkt Dimethylfumarat? Die Wirksamkeit setzt nicht unmittelbar ein. Meist zeigt sich ein Effekt nach einigen Wochen bis wenigen Monaten. Studien zeigen, dass Dimethylfumarat über Jahre hinweg wirksam bleibt, wenn es gut vertragen wird und die Lymphozytenzahlen stabil sind. Die Therapie ist als langfristige Behandlung ausgelegt. Ein Absetzen sollte nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen, da die Erkrankung nach Ende der Therapie wieder aktiver werden kann.

10. Was ist bei der Verordnung zu beachten? Dimethylfumarat ist zur Behandlung der schubförmig-remittierenden MS zugelassen. Vor Therapiebeginn müssen Blutwerte kontrolliert werden. Die Therapie muss dokumentiert und regelmäßig überprüft werden. Ein Absetzen oder Wechsel sollte immer gut begründet und mit einem klaren Behandlungsplan erfolgen.

11. Welche Alternativen gibt es? Als Alternativen stehen andere oral verfügbare Therapien wie Teriflunomid oder verschiedene S1P-Modulatoren zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es injizierbare Basistherapien wie Interferon-beta und Glatirameracetat sowie hochwirksame Therapien wie Natalizumab, Ocrelizumab oder Cladribin. Welche Alternative sinnvoll ist, hängt vom Aktivitätsgrad der Erkrankung, Begleiterkrankungen, dem individuellen Risikoprofil und den persönlichen Präferenzen ab.

12. Wie wirksam ist Dimethylfumarat? Dimethylfumarat gilt als moderat wirksam und liegt im mittleren Wirksamkeitsbereich der MS-Medikamente. Studien zeigen, dass es die jährliche Schubrate deutlich senkt, die Zahl neuer Entzündungsherde im MRT reduziert und das Risiko einer Behinderungszunahme verringern kann. Besonders geschätzt wird die Kombination aus Wirksamkeit, oraler Einnahme und einem insgesamt gut handhabbaren Sicherheitsprofil.

13. Welche Risiken bestehen? Die größten Risiken liegen in der Möglichkeit einer längerfristigen Lymphopenie und der damit verbundenen Gefahr für Infektionen. Sehr selten kann es zur progressiven multifokalen Leukoenzephalopathie kommen, einer schweren Virusinfektion des Gehirns. Diese Komplikation tritt fast ausschließlich bei Patienten auf, deren Lymphozyten über lange Zeit stark vermindert waren. Regelmäßige Blutkontrollen sind daher wichtig für eine sichere Behandlung. Ein weiteres Risiko besteht in möglichen Leberfunktionsstörungen, die jedoch meist frühzeitig erkannt werden. Insgesamt ist Dimethylfumarat bei sorgfältiger Überwachung eine gut verträgliche und sichere Therapieoption.