Was ist Alemtuzumab? Alemtuzumab ist ein Arzneimittel zur Behandlung der schubförmig-remittierenden Multiplen Sklerose (RRMS). Es handelt sich um einen monoklonalen Antikörper, der gezielt bestimmte Zellen des Immunsystems beeinflusst. Das Medikament wird unter dem Handelsnamen Lemtrada® ausschließlich als Infusion verabreicht und zählt zu den hochwirksamen MS-Therapien, die vor allem dann eingesetzt werden, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben oder die Erkrankung besonders aktiv verläuft.
Wie wirkt Alemtuzumab? Der Wirkstoff bindet an das sogenannte CD52-Antigen, das sich auf der Oberfläche bestimmter Immunzellen befindet, vor allem auf T- und B-Lymphozyten. Durch diese Bindung werden die Zellen vorübergehend aus dem Blut entfernt. Da diese Lymphozyten eine wichtige Rolle bei den Entzündungsprozessen der MS spielen, kommt es nach ihrer Reduktion zu einer Beruhigung des fehlgeleiteten Immunsystems. In der Folge kann die Krankheitsaktivität sinken, und Schübe können seltener auftreten.
Wann wird Alemtuzumab eingesetzt? Eingesetzt wird Alemtuzumab bei Erwachsenen mit hochaktiver schubförmiger MS. Es kommt besonders dann infrage, wenn andere zugelassene MS-Medikamente nicht ausreichend wirken oder die Erkrankung sehr aggressiv verläuft. Die Therapie ist nicht als Behandlung erster Wahl vorgesehen, sondern als Option für Patienten, bei denen herkömmliche Medikamente nicht ausreichen, um die Krankheitsaktivität zu kontrollieren.
Wie wird Alemtuzumab eingenommen? Alemtuzumab wird nicht geschluckt, sondern als intravenöse Infusion verabreicht. Im ersten Jahr erfolgt die Therapie an fünf aufeinanderfolgenden Tagen, im zweiten Jahr an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Weitere Zyklen sind nur dann erforderlich, wenn die Krankheitsaktivität zurückkehrt. Während der Infusion werden die Patienten eng überwacht, da Reaktionen des Körpers auf die Behandlung häufig sind. Zusätzlich ist in der Regel eine vorbeugende Behandlung mit Aciclovir vorgesehen, um Herpesinfektionen zu verhindern.
Welche Nebenwirkungen können auftreten? Viele Patienten erleben während oder kurz nach der Infusion Reaktionen wie Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Hautausschläge. Zudem können Infektionen auftreten, insbesondere Herpesinfektionen. Eine der häufigsten langfristigen Nebenwirkungen betrifft die Schilddrüse, da Alemtuzumab Autoimmunreaktionen auslösen kann. Zu den seltenen, aber schweren unerwünschten Wirkungen gehören Autoimmunerkrankungen wie Blutgerinnungsstörungen oder Erkrankungen der Nieren sowie Herz-Kreislauf-Komplikationen. Da diese Nebenwirkungen auch lange nach der Infusion auftreten können, ist eine engmaschige Nachkontrolle erforderlich.
Wer sollte Alemtuzumab nicht einnehmen? Schwangere und stillende Frauen sollten Alemtuzumab nicht anwenden, da der Wirkstoff dem ungeborenen Kind schaden kann und unklar ist, ob er in die Muttermilch übergeht. Auch Personen mit aktiven Infektionen sollten erst nach deren Abheilung behandelt werden. Wer bereits eine schwerwiegende Krebserkrankung hatte oder gegen Alemtuzumab allergisch ist, darf das Medikament ebenfalls nicht erhalten.
Welche Wechselwirkungen sind möglich? Die gleichzeitige Behandlung mit anderen stark immunsuppressiven Medikamenten erhöht das Risiko schwerer Infektionen und sollte vermieden werden. Ebenso sollte während der Therapie und für einige Zeit danach auf die Verabreichung von Lebendimpfstoffen verzichtet werden, da diese für das geschwächte Immunsystem gefährlich sein können. Vor Beginn der Therapie wird deshalb der Impfstatus überprüft.
Wie wird die Behandlung überwacht? Da schwere Nebenwirkungen auch lange nach der Infusion auftreten können, ist ein strukturiertes Monitoring vorgeschrieben. Dazu gehören monatliche Blut- und Urinuntersuchungen bis vier Jahre nach der letzten Behandlung sowie regelmäßige Kontrollen der Schilddrüsenfunktion. Zusätzlich werden jährlich MRT-Aufnahmen durchgeführt, um die Krankheitsaktivität der MS zu beurteilen. Dieses engmaschige Monitoring ist ein zentraler Bestandteil der Therapie.
Wie schnell und wie lange wirkt Alemtuzumab? Viele Patienten bemerken eine Wirkung bereits innerhalb der ersten Monate nach dem Infusionszyklus, da die Krankheitsaktivität deutlich nachlassen kann. Die Wirkung hält oft mehrere Jahre an, sodass häufig nur zwei Behandlungszyklen nötig sind. Bei erneut aufflammender Aktivität können weitere Zyklen folgen. Die langfristige Wirksamkeit beruht auf der Neuordnung des Immunsystems nach der Zellreduktion.
Was ist bei der Verordnung zu beachten? Vor der ersten Behandlung erfolgt eine umfassende Aufklärung, und der Patient muss schriftlich einwilligen. Der Arzt muss prüfen, ob andere Therapien ausgeschöpft wurden und ob mögliche Risiken vertretbar sind. Wichtig ist außerdem die Verpflichtung des Patienten, über mehrere Jahre hinweg an den regelmäßigen Kontrollen teilzunehmen. Ohne dieses Monitoring darf Alemtuzumab nicht verordnet werden, da Risiken sonst nicht rechtzeitig erkannt werden können.
Welche Alternativen gibt es? Zu den Alternativen für Patienten mit hochaktiver MS gehören andere hochwirksame Medikamente wie Ocrelizumab, Natalizumab oder Cladribin. Diese Medikamente unterscheiden sich in ihrem Wirkmechanismus und ihren Risiken, bieten aber ebenfalls starke Wirksamkeit bei schwer verlaufender MS. Die Wahl des geeigneten Medikaments hängt von der gesamten Krankheitsgeschichte, dem Risikoprofil und den persönlichen Umständen des Patienten ab.
Wie wirksam ist Alemtuzumab? Alemtuzumab gilt als eines der wirksamsten MS-Medikamente. Es kann die Schubrate deutlich reduzieren und die Zunahme körperlicher Einschränkungen verlangsamen. Viele Patienten benötigen nach zwei Behandlungszyklen über Jahre hinweg keine weitere Therapie. Die hohe Wirksamkeit geht jedoch mit einem erhöhten Sicherheitsbedarf einher.
Welche Risiken bestehen? Die größten Risiken betreffen Autoimmunreaktionen, Infektionen und selten schwerwiegende Herz- oder Gefäßkomplikationen. Da die Nebenwirkungen teilweise erst Monate bis Jahre nach der Behandlung auftreten können, ist das fortgesetzte Monitoring entscheidend. Eine frühzeitige Erkennung erhöht die Chancen, Nebenwirkungen erfolgreich zu behandeln und bleibende Schäden zu verhindern.