NEUROLOGIE MIT HERZ
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Ein Ratgeber für Betroffene und Interessierte

Was ist eine Small-Fibre-Polyneuropathie? Die Small-Fibre-Polyneuropathie, auch Kleine-Faser-Neuropathie genannt, ist eine Erkrankung der kleinsten Nervenfasern Ihres Körpers. Diese feinen Nervenfasern, die sogenannten A-Delta- und C-Fasern, sind für die Weiterleitung von Schmerz- und Temperaturreizen zuständig und steuern außerdem viele unbewusste Körperfunktionen wie Blutdruck, Herzfrequenz, Schweißbildung oder Verdauung. Wenn diese Fasern geschädigt sind, können Missempfindungen, Schmerzen oder Störungen der Organfunktionen entstehen. Typisch ist, dass die Beschwerden meist zuerst an den Füßen beginnen – oft mit Brennen, Kribbeln, elektrisierenden Schmerzen oder Taubheitsgefühlen. Manche Betroffene berichten, dass sie sich fühlen, als würden sie „auf Watte laufen“ oder als wären die Füße ständig zu heiß oder zu kalt. In fortgeschritteneren Stadien können auch die Hände oder andere Körperbereiche betroffen sein.
Im Gegensatz zu anderen Nervenerkrankungen sind die großen Nervenfasern, die für Muskelkraft und Reflexe zuständig sind, bei der Small-Fibre-Polyneuropathie zunächst meist nicht betroffen. Das erklärt, warum die üblichen Nervenmessungen (Nervenleitgeschwindigkeiten) oft normal ausfallen, obwohl die Beschwerden deutlich spürbar sind.x^

Warum entsteht eine Small-Fibre-Polyneuropathie? Es gibt viele mögliche Ursachen für diese Erkrankung. Häufig liegt eine Störung des Stoffwechsels vor, insbesondere ein Diabetes mellitus oder eine sogenannte Glukosetoleranzstörung, bei der der Zuckerstoffwechsel bereits leicht gestört ist. Auch Schilddrüsenerkrankungen, Autoimmunerkrankungen wie das Sjögren-Syndrom oder der Lupus erythematodes, Infektionen (z. B. Borreliose, Hepatitis oder HIV) sowie bestimmte Medikamente und Gifte können die kleinen Nerven schädigen.
In etwa der Hälfte aller Fälle lässt sich keine eindeutige Ursache finden. Dann spricht man von einer idiopathischen Small-Fibre-Polyneuropathie. Es wird vermutet, dass auch hierbei oft unerkannte Autoimmunprozesse oder genetische Faktoren eine Rolle spielen.
Auch ein ungesunder Lebensstil mit Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen oder chronischem Alkoholkonsum kann das Risiko erhöhen, da er die kleinen Nervenfasern empfindlich für Stoffwechsel- und Durchblutungsstörungen macht.

Wie macht sich die Erkrankung bemerkbar? Typische Beschwerden sind Brennen, Stechen, Kribbeln, Ameisenlaufen oder Taubheitsgefühle an Füßen und Beinen, manchmal auch an den Händen. Viele Betroffene empfinden Berührungen oder Wärme als unangenehm schmerzhaft, während andere den Schmerz kaum noch spüren. Diese veränderte Wahrnehmung kann im Alltag gefährlich sein, etwa wenn Hitze oder Verletzungen nicht rechtzeitig bemerkt werden.
Manche Patientinnen und Patienten leiden zusätzlich unter Symptomen, die das autonome Nervensystem betreffen. Dazu gehören Schwindel beim Aufstehen, Herzrasen, übermäßiges oder vermindertes Schwitzen, Magen-Darm-Beschwerden, Blasenstörungen oder sexuelle Funktionsstörungen.
Die Beschwerden entwickeln sich meist langsam über Monate oder Jahre. Sie können dauerhaft bestehen oder in Phasen auftreten. Typisch ist eine Verstärkung in Ruhe oder nachts.

Wie wird die Diagnose in unserer Praxis gestellt? In unserer neurologischen Praxis in Willich legen wir großen Wert auf eine sorgfältige, mehrstufige Diagnostik. Zunächst besprechen wir ausführlich Ihre Beschwerden, Vorerkrankungen und Lebensgewohnheiten. Anschließend führen wir eine neurologische Untersuchung durch, bei der gezielt die Temperatur- und Schmerzempfindung getestet wird. Da die Standarduntersuchungen wie Nervenleitgeschwindigkeit die kleinen Fasern nicht erfassen, kommen spezielle Verfahren zum Einsatz. Eine besonders aussagekräftige Methode ist die Hautbiopsie, bei der wir eine winzige Probe aus der Haut am Unterschenkel entnehmen. Unter dem Mikroskop lässt sich hier die Dichte der Nervenfasern in der obersten Hautschicht genau bestimmen. Eine verringerte Dichte weist auf eine Schädigung der kleinen Nerven hin.
Ergänzend können quantitative sensorische Tests durchgeführt werden, bei denen Sie angeben, ab welcher Temperatur oder Berührung Sie Wärme, Kälte oder Schmerz empfinden. Mit Laser-evozierten Potenzialen prüfen wir, ob die Schmerzsignale korrekt vom Gehirn verarbeitet werden. Wenn autonome Symptome im Vordergrund stehen, messen wir die Herzfrequenzvariabilität, um die Regulation von Herz und Kreislauf zu beurteilen.
Diese Kombination ermöglicht eine sichere und differenzierte Diagnose – oft bereits im Frühstadium der Erkrankung.

Was bedeutet die Diagnose für Sie? Eine Small-Fibre-Polyneuropathie ist in der Regel keine lebensbedrohliche Erkrankung, kann aber die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Wichtig ist, dass Sie die Diagnose nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt für gezielte Maßnahmen sehen. Je früher die Ursache erkannt und behandelt wird, desto besser lassen sich Fortschreiten und Beschwerden beeinflussen. In vielen Fällen können die Schmerzen deutlich gelindert, der Verlauf stabilisiert oder sogar gebessert werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Die Therapie wird in unserer Praxis individuell auf Sie abgestimmt – abhängig von der Ursache, dem Stadium und der Schwere Ihrer Symptome. Wir kombinieren dabei schulmedizinisch fundierte Behandlungsstrategien mit bewährten naturheilkundlichen und komplementärmedizinischen Verfahren.

Behandlung im frühen Stadium – Ursachen erkennen und beeinflussen: Im Vordergrund steht die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung. Wenn ein Diabetes mellitus oder eine Glukosetoleranzstörung besteht, ist eine konsequente Blutzuckerkontrolle entscheidend. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion oder ein Vitaminmangel sollte ausgeglichen werden. Bei Autoimmunerkrankungen kann in bestimmten Fällen eine immunsuppressive oder immunmodulierende Therapie (z. B. mit Cortison oder Immunglobulinen) sinnvoll sein. Parallel beraten wir Sie zu einer nervenschonenden Lebensweise: ausgewogene Ernährung, ausreichend Flüssigkeit, regelmäßige Bewegung, Rauchverzicht und mäßiger Alkoholkonsum fördern die Regeneration der Nervenfasern und verbessern den Stoffwechsel.

Behandlung bei fortgeschrittenen oder schmerzhaften Formen: Wenn Schmerzen im Vordergrund stehen, setzen wir eine medikamentöse Schmerztherapie ein, die speziell auf neuropathische Schmerzen ausgerichtet ist. Dazu gehören Medikamente wie Duloxetin, Pregabalin oder Amitriptylin, die die Schmerzverarbeitung im Nervensystem modulieren. Diese Medikamente wirken nicht sedierend, sondern gezielt schmerzhemmend auf der Ebene der kleinen Nervenfasern.
Bei örtlich begrenzten Beschwerden können schmerzstillende Cremes oder Pflaster mit Lidocain oder Capsaicin eingesetzt werden. In hartnäckigen Fällen kann auch eine Infusionstherapie mit Alpha-Liponsäure hilfreich sein, da diese Substanz antioxidativ wirkt und die Mitochondrienfunktion der Nerven unterstützt.

Ergänzende naturheilkundliche und komplementärmedizinische Verfahren
In unserer Praxis in Willich integrieren wir naturheilkundliche Verfahren, um die Regeneration der Nerven zu fördern und Schmerzen auf natürliche Weise zu lindern. Bewährt haben sich Akupunktur, Neuraltherapie, Schröpfverfahren und Elektrotherapie. Auch hochdosierte B-Vitamine, Omega-3-Fettsäuren und Alpha-Liponsäure können die Nervenfunktion verbessern. Entspannungsverfahren wie progressive Muskelrelaxation, Yoga, Atemtherapie oder Achtsamkeitstraining helfen, die Schmerzverarbeitung im Gehirn positiv zu beeinflussen und Stress als Verstärker von Schmerzen zu reduzieren. Bei Patienten mit ausgeprägten autonomen Beschwerden beraten wir individuell zu Maßnahmen, die Kreislauf und Verdauung stabilisieren – beispielsweise Flüssigkeitszufuhr, salzreiche Ernährung, Kompressionsstrümpfe oder pflanzliche Präparate zur Kreislaufunterstützung.

Was können Sie selbst zur Besserung beitragen? Ihr eigener Beitrag ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Therapie. Regelmäßige Bewegung, auch in moderater Form wie Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren, verbessert die Durchblutung und die Nervenversorgung. Eine mediterrane, pflanzenbetonte Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen und Fisch wirkt entzündungshemmend und schützt die Gefäße.
Achten Sie auf eine gute Fußpflege und vermeiden Sie Verletzungen, da Schmerz- und Temperaturempfinden vermindert sein können. Bei autonomen Störungen sollten Sie auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten und Kreislaufschwäche durch langsames Aufstehen vermeiden.
Auch psychische Stabilität ist wichtig. Viele Betroffene profitieren von Gesprächen, Entspannungstraining oder begleitender Psychotherapie, um den Umgang mit chronischen Schmerzen zu erleichtern.

Wie ist die Prognose? Die Prognose hängt von der Ursache und der Konsequenz der Behandlung ab. Bei gut behandeltem Diabetes oder korrigierter Schilddrüsenfunktion kann sich die Erkrankung stabilisieren oder sogar bessern. Autoimmune Formen sprechen häufig gut auf Immuntherapie an. Idiopathische Formen verlaufen meist langsam progredient, können aber durch Lebensstilmaßnahmen und Schmerztherapie gut kontrolliert werden.
Wichtig ist die regelmäßige Nachsorge. In unserer Praxis in Willich überprüfen wir in festgelegten Abständen den Verlauf, passen die Therapie an und begleiten Sie langfristig – mit dem Ziel, Ihre Lebensqualität und Selbstständigkeit zu erhalten.

Zusammenfassung: Die Small-Fibre-Polyneuropathie ist zwar eine chronische Erkrankung, aber sie ist behandelbar. Entscheidend ist, dass Sie frühzeitig die richtigen Schritte gehen, um Ihre Nerven zu schützen und die Schmerzen zu lindern. Mit einer individuellen Kombination aus schulmedizinischer, naturheilkundlicher und komplementärer Therapie können Sie aktiv dazu beitragen, die Funktion Ihrer Nerven zu stabilisieren und Ihr Wohlbefinden spürbar zu verbessern.
In unserer neurologischen Praxis in Willich begleiten wir Sie dabei persönlich und ganzheitlich – mit Zeit, Empathie und wissenschaftlich fundierten Therapiekonzepten.