Ein Ratgeber für Betroffene und Interessierte
Was ist eine chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyradikuloneuropathie? Die chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyradikuloneuropathie, kurz CIDP genannt, ist eine seltene, aber behandelbare Erkrankung des peripheren Nervensystems. Sie entsteht durch eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems, das fälschlicherweise die Schutzhülle der Nerven – das sogenannte Myelin – angreift. Durch diese Entzündung und Schädigung verlangsamt sich die Weiterleitung von Nervensignalen, was zu Schwäche, Gefühlsstörungen oder Schmerzen führen kann. Typisch ist, dass sich die Beschwerden über Wochen bis Monate langsam entwickeln und häufig symmetrisch an Armen und Beinen auftreten.
Wie häufig ist diese Erkrankung und wer ist besonders betroffen? Die CIDP ist selten. Statistisch erkranken nur wenige Menschen pro 100.000 Einwohner. Sie kann in jedem Lebensalter vorkommen, tritt aber am häufigsten zwischen dem vierzigsten und sechzigsten Lebensjahr auf. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. In unserer Praxis sehen wir die Erkrankung sowohl bei berufstätigen Erwachsenen als auch bei älteren Menschen, die plötzlich eine zunehmende Muskelschwäche oder Gangunsicherheit bemerken.
Welche Beschwerden können auftreten? Zu Beginn berichten viele Betroffene über ein Gefühl der Kraftlosigkeit in Beinen oder Armen. Das Treppensteigen fällt schwerer, das Gehen wird unsicher, oder das Heben von Gegenständen gelingt nicht mehr wie gewohnt. Häufig kommen Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Brennen in Händen und Füßen hinzu. Manche spüren eine verminderte Vibrationsempfindung oder ein „Wattegefühl“ an den Füßen. In ausgeprägteren Fällen kann es zu Muskelschwund oder Schwierigkeiten beim Greifen, Stehen oder Gehen kommen. Nur sehr selten sind auch vegetative Funktionen wie Kreislauf, Blase oder Darm betroffen.
Die Erkrankung kann unterschiedlich verlaufen: Manche Patientinnen und Patienten erleben einen langsam fortschreitenden Verlauf, bei anderen treten die Beschwerden in Schüben auf. Ohne Behandlung kann die Erkrankung zu bleibenden Einschränkungen führen – rechtzeitig erkannt und behandelt, lässt sie sich jedoch meist gut kontrollieren.
Wie wird die Diagnose gestellt? In unserer neurologischen Praxis in Willich führen wir eine umfassende Diagnostik durch, um die Erkrankung sicher zu erkennen und andere Ursachen auszuschließen. Nach einem ausführlichen Gespräch über den Verlauf der Beschwerden prüfen wir die Kraft, Sensibilität und Reflexe. Besonders wichtig sind die elektrischen Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit, da sie zeigen, ob eine Demyelinisierung vorliegt. Ergänzend kann eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) erfolgen, in dem sich häufig eine erhöhte Eiweißkonzentration bei normaler Zellzahl findet – ein typischer Hinweis auf CIDP.
Bei unklaren Fällen nutzen wir bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie der Nervenwurzeln oder führen spezielle Laboruntersuchungen durch, um Autoantikörper oder Paraproteine nachzuweisen. Nur in seltenen Fällen ist eine Nervenbiopsie erforderlich.
Wie verläuft die Erkrankung ohne Behandlung? Ohne Therapie schreitet die Erkrankung meist langsam voran. Die Muskelschwäche nimmt zu, und alltägliche Tätigkeiten werden schwieriger. Wird die Erkrankung nicht erkannt, kann es durch die anhaltende Schädigung der Nervenfasern zu bleibenden Lähmungen oder Sensibilitätsstörungen kommen. Eine frühzeitige Behandlung ist daher wichtig, um diese Schäden zu verhindern und die Funktionsfähigkeit zu erhalten.
Wie sieht die Therapie in unserer Praxis aus? In unserer neurologischen Praxis in Willich verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, der schulmedizinische, naturheilkundliche und komplementärmedizinische Methoden miteinander verbindet. Die Therapie wird individuell an den Schweregrad, den Verlauf und die Lebenssituation angepasst.
Behandlung bei leichtem Verlauf: Wenn Ihre Symptome mild sind und Sie im Alltag kaum eingeschränkt sind, steht zunächst die Beobachtung und unterstützende Behandlung im Vordergrund. Physiotherapeutische Übungen helfen, die Muskelkraft zu erhalten und die Beweglichkeit zu fördern. Eine entzündungshemmende Ernährung mit reichlich Omega-3-Fettsäuren, Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und hochwertigem Pflanzenöl kann die Immunregulation unterstützen. Achtsamkeitstraining, Yoga oder Meditation helfen, Stress zu reduzieren, der das Immunsystem negativ beeinflussen kann. Sollten die Symptome langsam zunehmen, kann eine niedrig dosierte Kortisontherapie eingeleitet werden.
Behandlung bei mittlerem Schweregrad: Bei deutlicher Schwäche, Sensibilitätsstörungen oder Einschränkungen im Alltag empfehlen wir eine gezielte medikamentöse Therapie. Bewährt haben sich zwei Verfahren: Zum einen die Gabe von intravenösen Immunglobulinen, die über eine Infusion verabreicht werden und krankmachende Antikörper neutralisieren. Zum anderen kann eine Kortisontherapie die Entzündung wirksam bremsen. Beide Methoden können auch kombiniert werden, wenn der Verlauf aktiv ist. Begleitend legen wir großen Wert auf regelmäßige Physiotherapie und Ergotherapie, um die Mobilität zu fördern und die Selbstständigkeit zu erhalten. Orthopädische Hilfsmittel wie Einlagen oder Schienen können die Stabilität beim Gehen verbessern. Ernährungsmedizinisch empfehlen wir eine antientzündliche Kost und ausreichend Vitamin D, um die Nervenregeneration zu unterstützen.
Behandlung bei schwerem oder fortgeschrittenem Verlauf: Wenn Sie stark in der Bewegung eingeschränkt sind oder die Erkrankung rasch fortschreitet, wird eine intensivierte Kombinationstherapie notwendig. Hierbei können hochdosierte Immunglobuline, Plasmaaustausch oder intravenös verabreichte Kortisonstöße eingesetzt werden, um die akute Entzündung zu stoppen. Zusätzlich kann in speziellen Fällen ein immunmodulierendes Medikament wie Azathioprin, Mycophenolat-Mofetil oder Rituximab notwendig werden, um das Immunsystem langfristig zu stabilisieren. In der Rehabilitation arbeiten wir eng mit Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten zusammen, um Beweglichkeit, Gleichgewicht und Kraft wiederherzustellen. Ergänzend können Verfahren wie Akupunktur, Massage, Faszientherapie oder Elektrotherapie helfen, Schmerzen zu lindern und die Durchblutung der Muskulatur zu verbessern.
Naturheilkundliche und komplementäre Unterstützung: Begleitend zur schulmedizinischen Behandlung können Sie selbst viel tun, um Ihr Wohlbefinden zu stärken. Eine entzündungshemmende Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und das Vermeiden von Alkohol und Nikotin tragen zur Stabilisierung des Immunsystems bei. Pflanzliche Präparate mit Curcuma, Ingwer oder Ginkgo können antientzündlich und durchblutungsfördernd wirken. Ergänzend können Probiotika und Vitaminpräparate, insbesondere Vitamin D und B-Vitamine, die Nervenfunktion unterstützen. In unserer Praxis beraten wir Sie individuell, welche Ergänzungen für Sie sinnvoll und sicher sind.
Wie wird der Verlauf kontrolliert? Nach Beginn der Therapie führen wir regelmäßige Verlaufskontrollen durch, um die Wirksamkeit der Behandlung zu beurteilen und Nebenwirkungen zu vermeiden. Zu Beginn erfolgen die Termine in kurzen Abständen, später in größeren Intervallen. Dabei überprüfen wir Muskelkraft, Beweglichkeit und Sensibilität, wiederholen bei Bedarf Nervenleitungsuntersuchungen und passen die Therapie individuell an.
Auch die Behandlung möglicher Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus oder Paraproteinämien wird fortlaufend überwacht. Durch diese strukturierte Nachsorge können wir Rückfälle frühzeitig erkennen und rechtzeitig reagieren.
Welche Aussichten haben Sie? Die Prognose der CIDP ist insgesamt günstig, wenn sie frühzeitig erkannt und konsequent behandelt wird. Viele unserer Patientinnen und Patienten erreichen unter Therapie eine deutliche Besserung oder vollständige Stabilisierung. Selbst wenn die Erkrankung chronisch verläuft, lässt sich die Lebensqualität meist gut erhalten. Wichtig ist, die Behandlung regelmäßig fortzuführen, Rückfälle frühzeitig zu melden und sich aktiv an Physiotherapie und gesundheitsfördernden Maßnahmen zu beteiligen.
Was können Sie selbst tun? Sie können den Verlauf Ihrer Erkrankung positiv beeinflussen, indem Sie einen gesunden Lebensstil pflegen und Stress reduzieren. Achten Sie auf regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, ausreichende Ruhephasen und ein stabiles soziales Umfeld. Sprechen Sie offen mit uns über Belastungen oder Ängste – wir unterstützen Sie dabei, Wege zu finden, um trotz chronischer Erkrankung aktiv und selbstbestimmt zu leben.
Zusammenfassung: Die chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyradikuloneuropathie ist eine behandelbare Autoimmunerkrankung der Nerven. In unserer neurologischen Praxis in Willich legen wir großen Wert auf eine individuelle, ganzheitliche Betreuung. Durch die Kombination schulmedizinischer, naturheilkundlicher und komplementärmedizinischer Verfahren lassen sich Entzündungen kontrollieren, Funktionsverluste rückbilden und Rückfälle vermeiden. Ziel unserer gemeinsamen Behandlung ist es, Ihre Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität langfristig zu erhalten.