NEUROLOGIE MIT HERZ
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Ein Ratgeber für Betroffene und Interessierte

Was ist eine akute inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (AIDP)? Die akute inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie, kurz AIDP, ist die häufigste Form des sogenannten Guillain-Barré-Syndroms. Es handelt sich um eine plötzlich einsetzende, entzündliche Erkrankung der peripheren Nerven, also der Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Durch eine Fehlreaktion des Immunsystems werden die schützenden Myelinscheiden der Nerven angegriffen. Dies führt dazu, dass elektrische Signale zwischen Nerven und Muskeln nur noch verlangsamt oder gar nicht mehr weitergeleitet werden können. In der Folge entwickeln sich eine aufsteigende Muskelschwäche, Sensibilitätsstörungen und – in schweren Fällen – Lähmungen oder Störungen der Atmung.
Die Erkrankung kann Menschen jeden Alters betreffen, tritt jedoch häufiger bei Erwachsenen im mittleren oder höheren Lebensalter auf. Meist beginnt sie wenige Tage bis Wochen nach einer Infektion der Atemwege oder des Magen-Darm-Traktes. Typische Auslöser sind Erreger wie Campylobacter jejuni, Cytomegalovirus oder Influenzaviren.

Wie entstehen die Symptome und wie verläuft die Erkrankung? In den meisten Fällen kündigt sich die Erkrankung mit Kribbeln oder Taubheitsgefühlen in den Füßen oder Händen an. Innerhalb weniger Tage entwickelt sich eine symmetrische, aufsteigende Schwäche der Muskeln, zunächst in den Beinen, dann in den Armen. Viele Patientinnen und Patienten berichten, dass sie Schwierigkeiten beim Gehen, Treppensteigen oder Halten von Gegenständen bemerken. Im Verlauf können die Reflexe verschwinden, und manche Betroffene entwickeln starke Nervenschmerzen.
Bei einem Teil der Erkrankten kommt es zu Störungen des vegetativen Nervensystems. Diese können Herzrhythmusstörungen, Blutdruckschwankungen oder Verdauungsprobleme verursachen. In schweren Fällen werden die Atemmuskeln in Mitleidenschaft gezogen, sodass eine vorübergehende künstliche Beatmung notwendig werden kann.
Der Verlauf gliedert sich meist in vier Phasen. Nach einer kurzen Anfangsphase mit ersten Symptomen folgt die Progressionsphase, in der die Schwäche innerhalb von ein bis vier Wochen zunimmt. Danach stabilisiert sich die Erkrankung in einer Plateauphase, bevor schließlich eine oft langwierige Erholungsphase mit allmählicher Besserung einsetzt. Diese kann Wochen bis Monate dauern, in manchen Fällen auch länger.

Wie wird die Diagnose gestellt? In unserer neurologischen Praxis in Willich erfolgt die Diagnostik der AIDP durch eine genaue klinische Untersuchung, die Erhebung der Krankengeschichte und ergänzende apparative Verfahren. Typisch sind eine rasch zunehmende Muskelschwäche und fehlende Reflexe. Zur Sicherung der Diagnose führen wir Nervenleitungsuntersuchungen (Elektroneurografien) durch. Dabei lässt sich feststellen, dass die Reizweiterleitung in den Nerven verlangsamt oder unterbrochen ist – ein typisches Zeichen der Demyelinisierung. Im Nervenwasser (Liquor), das über eine Lumbalpunktion untersucht wird, findet sich meist eine erhöhte Eiweißkonzentration bei normaler Zellzahl. Diese sogenannte albuminocytologische Dissoziation ist charakteristisch für die Erkrankung. Eine Magnetresonanztomographie kann zusätzliche Hinweise geben und andere Ursachen ausschließen. Da die Erkrankung potenziell lebensbedrohlich sein kann, ist eine schnelle Diagnose entscheidend, um die Therapie rechtzeitig einzuleiten.

Wie wird die Erkrankung behandelt? Die Behandlung der akuten inflammatorischen demyelinisierenden Polyneuropathie erfolgt individuell und richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Ziel der Therapie ist es, die fehlgeleitete Immunreaktion zu stoppen, Komplikationen zu vermeiden und die Nervenfunktion wiederherzustellen.

Leichte Verlaufsformen: Wenn die Gehfähigkeit nicht beeinträchtigt ist und keine Atemprobleme bestehen, erfolgt die Behandlung in unserer Praxis engmaschig ambulant. Schmerzen werden mit Medikamenten behandelt, die auf neuropathische Beschwerden wirken, etwa Gabapentin oder Pregabalin. Entspannende Wärmeanwendungen, Massagen und Akupunktur können zusätzlich zur Schmerzlinderung beitragen. Physiotherapeutische Übungen helfen, Muskelkraft und Beweglichkeit zu erhalten.

Mäßige Verlaufsformen: Wenn die Gehfähigkeit oder die Atmung beeinträchtigt, verordnen wir eine Krankenhauseinweisung. Dort wird nach der weiteren Entwicklung der Erkrankung über die weitere Therapie (siehe schwere Verlaufsform) entschieden.

Schwere Verlaufsformen: Wenn die Schwäche rasch fortschreitet, das Gehen unmöglich wird oder Atemprobleme auftreten, ist eine stationäre Behandlung notwendig. In neurologischen Kliniken wird in diesen Fällen entweder die Gabe von Immunglobulinen oder eine Plasmapherese durchgeführt. Bei der Plasmapherese wird das Blutplasma durch ein Filtersystem geleitet, um krankheitsauslösende Antikörper zu entfernen. Beide Verfahren sind gleich wirksam und zielen darauf ab, das Immunsystem zu regulieren.
Bei Atemschwäche erfolgt eine Überwachung der Lungenfunktion, um rechtzeitig eine Beatmung einzuleiten. Begleitend werden Blutdruck und Herzrhythmus kontinuierlich kontrolliert, um Komplikationen des autonomen Nervensystems zu vermeiden.

Welche ergänzenden naturheilkundlichen und komplementärmedizinischen Maßnahmen können hilfreich sein? In unserer Praxis in Willich legen wir großen Wert auf eine ganzheitliche Behandlung, die schulmedizinische und naturheilkundliche Ansätze sinnvoll miteinander verbindet. Eine gesunde Ernährung mit hohem Anteil an antioxidativen Lebensmitteln – etwa frischem Gemüse, Obst, Nüssen und Vollkornprodukten – unterstützt das Immunsystem und kann Entzündungsprozesse günstig beeinflussen. Omega-3-Fettsäuren aus Fisch, Leinöl oder Walnüssen wirken antientzündlich und fördern die Regeneration der Nerven.
Pflanzliche Präparate wie Curcumin aus der Gelbwurz, Ginkgo-biloba-Extrakte und Johanniskraut können ergänzend eingesetzt werden, um Durchblutung, Nervenerholung und Stimmung zu verbessern. Entspannungsverfahren wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung helfen, den Heilungsprozess zu unterstützen und Stress zu reduzieren, der das Immunsystem belasten kann.
Auch Akupunktur und Elektrotherapie (TENS) haben sich bei Nervenschmerzen bewährt und können den Regenerationsprozess begleiten. Diese Verfahren werden individuell abgestimmt und ergänzen die schulmedizinische Behandlung, ersetzen sie jedoch nicht.

Wie verläuft die Erholung und was kann die Rehabilitation bewirken? Nach der akuten Krankheitsphase ist Geduld gefragt. Die Erholung verläuft oft langsam, aber stetig. Mit physiotherapeutischer Unterstützung lernen die Betroffenen, Muskeln wieder gezielt zu aktivieren und Bewegungsabläufe zu trainieren. Ergotherapeutische Maßnahmen helfen, alltägliche Fähigkeiten wie Greifen, Schreiben oder Gehen zurückzugewinnen.
Bei Sprach- oder Schluckstörungen kann eine logopädische Begleitung notwendig sein. Ebenso wichtig ist die psychologische Unterstützung, um Ängste, Unsicherheiten oder depressive Verstimmungen, die durch die Erkrankung entstehen können, zu verarbeiten.
In unserer neurologischen Praxis in Willich begleiten wir Patientinnen und Patienten auch während der Erholungsphase. Regelmäßige Verlaufskontrollen, Anpassung der Medikation, schrittweise Reduktion von Schmerzmitteln und gezielte Ernährungs- und Bewegungsempfehlungen sind dabei zentrale Bestandteile der Nachsorge.

Wie sind die Aussichten? Die Prognose ist in den meisten Fällen sehr günstig. Etwa vier von fünf Betroffenen erholen sich innerhalb von sechs bis zwölf Monaten vollständig oder mit nur geringen Restbeschwerden. Eine frühzeitige Diagnosestellung und konsequente Behandlung verbessern die Heilungschancen erheblich.
Wichtig ist, nach der Genesung auf eine gute körperliche und seelische Balance zu achten, Infektionen vorzubeugen und Stress zu reduzieren. Eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und ein stabiles Immunsystem sind die besten Voraussetzungen, um Rückfällen vorzubeugen und langfristig gesund zu bleiben.

Ihr Weg in unserer neurologischen Praxis in Willich: In unserer Praxis begleiten wir Sie von der Diagnose über die Akuttherapie bis zur Rehabilitation und Nachsorge. Dabei verbinden wir neueste schulmedizinische Erkenntnisse mit bewährten naturheilkundlichen und komplementärmedizinischen Ansätzen. Unser Ziel ist es, Ihnen nicht nur die bestmögliche medizinische Behandlung zu bieten, sondern Sie als ganzen Menschen zu sehen – mit Körper, Geist und Seele. Jede Therapie wird individuell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt, um Heilung, Selbstständigkeit und Lebensqualität bestmöglich wiederherzustellen.