Was versteht man unter einer Metatarsalneuropathie? Die Metatarsalneuropathie bezeichnet eine Schädigung oder Reizung der Nerven im Bereich der Mittelfußknochen. Diese Nerven leiten Empfindungen und Bewegungsimpulse an die Zehen weiter. Wenn sie durch Druck, Fehlbelastung, Entzündung oder Stoffwechselstörungen beeinträchtigt werden, kommt es zu Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühlen im Vorfuß. Manche Betroffene empfinden ein brennendes oder stechendes Gefühl, als würde ein kleiner Stein im Schuh liegen. Die Beschwerden treten meist beim Gehen oder Stehen auf und bessern sich oft in Ruhe.
Wie entsteht eine Metatarsalneuropathie? Häufig liegt eine chronische mechanische Überlastung vor. Enge oder hochhackige Schuhe drücken auf die empfindlichen Nerven zwischen den Mittelfußknochen. Auch Fußfehlstellungen wie Spreizfuß, Plattfuß oder Hallux valgus verändern die Druckverteilung und begünstigen eine Reizung. Sportliche Belastungen, insbesondere Lauf- oder Sprungsportarten, können denselben Effekt haben. In anderen Fällen entsteht die Nervenschädigung durch Verletzungen, Narben oder chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder rheumatoide Arthritis, die die Nerven zusätzlich empfindlich machen.
Wer ist besonders gefährdet? Besonders häufig sind Frauen mittleren Alters betroffen. Das liegt einerseits an der häufigeren Nutzung enger oder hochhackiger Schuhe, andererseits an anatomischen Unterschieden im Vorfußbereich. Auch Personen, die beruflich viel stehen oder gehen müssen – wie Verkäuferinnen, Pflegekräfte oder Handwerker – haben ein erhöhtes Risiko. Bei Diabetes, rheumatischen Erkrankungen oder familiär bedingten Fußfehlstellungen steigt die Wahrscheinlichkeit ebenfalls.
Welche Symptome treten auf? Typisch sind brennende, stechende oder elektrisierende Schmerzen im Bereich des Vorfußes, häufig zwischen dem dritten und vierten Zeh. Viele Betroffene berichten über ein Taubheits- oder Fremdkörpergefühl im Schuh. Bei Druck auf den Vorfuß oder beim Tragen enger Schuhe verstärken sich die Beschwerden. In fortgeschrittenen Stadien kann auch eine leichte Muskelschwäche in den Zehen auftreten.
Wie wird die Diagnose gestellt? In unserer neurologischen Praxis in Willich erfolgt zunächst eine ausführliche Befragung zu Art, Ort und Verlauf der Beschwerden. Danach untersuchen wir die Sensibilität und Muskelkraft des Fußes und tasten die schmerzhaften Bereiche gezielt ab. Typisch ist ein Druckschmerz unter den Mittelfußköpfchen. Ein sogenanntes Mulder-Zeichen – ein „Schnappen“ oder stechender Schmerz bei seitlicher Kompression des Vorfußes – kann den Verdacht bestätigen. Zur Sicherung der Diagnose nutzen wir gegebenenfalls bildgebende Verfahren wie hochauflösenden Ultraschall oder eine Magnetresonanztomographie (MRT), um verdickte Nerven oder Gewebeveränderungen sichtbar zu machen. Mit elektrophysiologischen Messungen prüfen wir die Nervenleitgeschwindigkeit, um das Ausmaß der Schädigung zu beurteilen.
Wie verläuft die Erkrankung ohne Behandlung? Wird die Ursache nicht behoben, verschlechtert sich der Zustand meist schleichend. Aus anfänglich belastungsabhängigen Schmerzen entwickeln sich dauerhafte Beschwerden, die auch in Ruhe bestehen können. Durch die anhaltende Reizung kann der Nerv bleibend geschädigt werden. In diesem Fall treten chronische Schmerzen und Gefühlsstörungen auf, die die Gehfähigkeit deutlich einschränken. Frühzeitig erkannt, lässt sich diese Entwicklung in der Regel verhindern.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? In unserer neurologischen Praxis in Willich verfolgen wir ein mehrstufiges, individuell angepasstes Behandlungskonzept, das schulmedizinische, naturheilkundliche und komplementärmedizinische Verfahren kombiniert. Entscheidend sind der Schweregrad der Erkrankung und die Ursachen der Nervenschädigung.
Mittlerer Schweregrad: Wenn die Schmerzen häufiger auftreten oder in Ruhe bestehen, werden medikamentöse und physiotherapeutische Maßnahmen kombiniert. Zur gezielten Behandlung neuropathischer Schmerzen können Medikamente wie Gabapentin, Pregabalin oder niedrig dosierte Antidepressiva (z. B. Amitriptylin oder Duloxetin) eingesetzt werden. Diese Mittel beeinflussen die Schmerzverarbeitung im Nervensystem und können auch bei Missempfindungen hilfreich sein.Unterstützend kommen Akupunktur, Wärmeanwendungen oder Fußreflexzonenmassagen zum Einsatz, um die Durchblutung zu fördern und den Schmerz zu reduzieren. Eine antientzündliche Ernährung mit Omega-3-Fettsäuren, Vitamin E und Vitamin C kann den Heilungsprozess zusätzlich unterstützen. Bei deutlich tastbarer Reizung kann eine gezielte Kortisoninjektion unter Ultraschallkontrolle helfen, Entzündungen zu hemmen und die Schmerzen für längere Zeit zu lindern.
Langfristige Nachsorge: Nach erfolgreicher Behandlung ist eine gute Nachsorge entscheidend, um Rückfälle zu vermeiden. Dazu gehören regelmäßige Fußgymnastik, Gewichtskontrolle, angepasste Schuhe und das frühzeitige Erkennen erneuter Druckstellen. Bei Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes ist eine konsequente Blutzuckerkontrolle unverzichtbar.
Wie sind die Heilungschancen? Die Prognose ist insgesamt günstig, wenn die Behandlung frühzeitig einsetzt. In leichten und mittleren Stadien lassen sich die Beschwerden meist vollständig beseitigen. Bei länger bestehenden oder schweren Verläufen kann die Empfindungsstörung teilweise bestehen bleiben, doch auch hier ist eine deutliche Schmerzlinderung und Verbesserung der Gehfähigkeit erreichbar. Entscheidend ist, dass die Ursachen konsequent beseitigt und die Therapie individuell abgestimmt werden.
Was können Sie selbst tun? Sie können wesentlich zum Behandlungserfolg beitragen, indem Sie auf bequeme, druckfreie Schuhe achten, regelmäßige Fußübungen durchführen und Überlastungen vermeiden. Achten Sie auf Warnzeichen wie Kribbeln oder Taubheit und suchen Sie frühzeitig ärztlichen Rat. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und gute Blutzuckereinstellung unterstützen die Nervenregeneration zusätzlich.