Was ist der Test? Der Regensburger Wortflüssigkeitstest (RWT) ist ein etabliertes neuropsychologisches Verfahren zur Beurteilung der sprachlichen Flüssigkeit und exekutiven Kontrolle. Er misst die Fähigkeit, unter bestimmten Vorgaben schnell möglichst viele Wörter zu produzieren. Dabei werden sowohl phonematische (lautbasierte) als auch semantische (bedeutungsbasierte) Aspekte des Sprachabrufs geprüft. Der Test gibt Aufschluss darüber, wie effizient Sie Ihr mentales Lexikon aktivieren und Ihre Sprachproduktion unter Zeitdruck steuern können – ein Prozess, der eng mit frontalen und temporalen Hirnfunktionen verbunden ist. Der RWT gehört zu den Standardverfahren in der neuropsychologischen Diagnostik bei Demenz, Schlaganfall, Parkinson, Depression oder ADHS.
Wie läuft der Test ab? Der Test besteht aus mehreren kurzen Aufgaben, bei denen Sie jeweils innerhalb von 60 Sekunden so viele Wörter wie möglich nennen sollen, die einer bestimmten Regel folgen. Es gibt zwei Haupttypen: Beim phonematischen Teil sollen Sie Wörter nennen, die mit einem bestimmten Buchstaben beginnen, zum Beispiel mit „S“ oder „M“. Eigennamen, Wiederholungen oder Wortformen mit demselben Stamm zählen nicht. Beim semantischen Teil nennen Sie Wörter aus einer bestimmten Kategorie, etwa „Tiere“, „Früchte“ oder „Berufe“. Ein zusätzlicher Abschnitt prüft die kognitive Flexibilität, indem Sie abwechselnd Wörter aus zwei Kategorien nennen müssen, zum Beispiel „Tier – Sportart – Tier – Sportart“. Das erfordert nicht nur Sprachwissen, sondern auch die Fähigkeit, zwischen mentalen Suchstrategien umzuschalten.
In unserer neurologischen Praxis in Willich führen wir den Test mündlich durch. Die Antworten werden protokolliert, und die Auswertung erfolgt nach Anzahl, Regelverstößen und semantischer Struktur der Antworten.
Wie wird das Ergebnis beurteilt? Die Auswertung berücksichtigt die Gesamtzahl der korrekt produzierten Wörter pro Aufgabe sowie eventuelle Fehler oder Regelverstöße. Eine geringe Wortzahl kann auf sprachliche Verarmung, verlangsamte Verarbeitung oder exekutive Störungen hinweisen. Viele Wiederholungen oder Regelverletzungen sprechen für Aufmerksamkeitsprobleme oder eine beeinträchtigte Selbstüberwachung. Ein erhöhtes Verhältnis zwischen semantischer und phonematischer Leistung kann bei bestimmten Demenzformen, insbesondere frontotemporaler oder Alzheimer-Demenz, diagnostisch bedeutsam sein.
Normwerte liegen differenziert nach Alter und Bildung vor, wodurch die individuelle Leistung zuverlässig eingeordnet werden kann.
Wie lange dauert der Test? Die Durchführung dauert in der Regel 5 bis 10 Minuten, je nach Anzahl der Untertests. Die Auswertung kann unmittelbar im Anschluss erfolgen und ist innerhalb weniger Minuten abgeschlossen.
Welche Vorteile hat der Test? Der RWT ist einfach, schnell und klinisch sehr aussagekräftig. Er erfordert keine schriftlichen Fähigkeiten und kann auch bei Personen mit motorischen Einschränkungen problemlos eingesetzt werden. Zudem erlaubt er durch die Kombination von phonematischen und semantischen Aufgaben eine differenzierte Analyse von Sprachabruf, semantischer Organisation und kognitiver Flexibilität.
In der Praxis Willich setzen wir den RWT häufig ein, um früh subtile Störungen im Bereich der Wortfindung oder der exekutiven Kontrolle zu erkennen – zum Beispiel bei Verdacht auf Demenz, Parkinson oder nach leichten Schlaganfällen.
Welche Grenzen hat der Test? Die Leistung kann durch Bildung, Wortschatzumfang, Motivation und momentane Tagesform beeinflusst werden. Auch kulturelle und sprachliche Unterschiede spielen eine Rolle. Der Test ist außerdem nicht geeignet, um isolierte Gedächtnisstörungen oder syntaktische Sprachdefizite zu bewerten. Daher wird er in unserer Praxis immer im Rahmen einer umfassenden neuropsychologischen Untersuchung interpretiert.