NEUROLOGIE MIT HERZ
Modern. Ganzheitlich. Einfühlsam.


Was ist der Test?
Die Frontal Assessment Battery (FAB) ist ein kurzes, standardisiertes Testverfahren zur Überprüfung der frontalen Exekutivfunktionen.
Sie wurde von Dubois und Kollegen (2000) entwickelt, um Störungen der Planung, Kontrolle, kognitiven Flexibilität und Impulskontrolle zu erfassen – also jene geistigen Fähigkeiten, die vor allem durch die Frontallappen des Gehirns gesteuert werden.
Die FAB ist besonders hilfreich bei Erkrankungen, die mit frontalen Funktionsstörungen einhergehen, wie z. B. frontotemporale Demenz, Morbus Parkinson, Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma.
Im Gegensatz zu allgemeinen Kurztests wie dem MMST oder MoCA konzentriert sich die FAB gezielt auf exekutive Prozesse und erlaubt eine differenziertere Beurteilung dieser wichtigen kognitiven Domäne.
Wie läuft der Test ab?
Die FAB umfasst sechs kurze Untertests, die jeweils eine spezifische exekutive Teilfunktion prüfen.
Diese Aufgaben sind einfach zu erklären und können in wenigen Minuten durchgeführt werden. Sie beinhalten:

  1. Begriffliche Abstraktion: Sie werden gebeten, Gemeinsamkeiten zwischen Begriffspaaren zu nennen (z. B. „Banane – Orange“ → „beides Früchte“).
  2. Kognitive Flexibilität: Sie sollen spontan Wörter nennen, die mit einem bestimmten Buchstaben beginnen (phonematische Wortflüssigkeit).
  3. Motorische Programmierung: Sie führen eine einfache Bewegungsabfolge nach einem vorgegebenen Rhythmus aus („Faust–Kante–Flachhand“).
  4. Konfliktverhalten / Inhibition: Sie müssen auf ein Reizwort entgegengesetzt reagieren (z. B. bei „hoch“ sagen Sie „tief“).
  5. Umgebungsautonomie: Sie sollen einem automatischen Greifreflex widerstehen, wenn Ihnen der Untersucher ein Objekt zeigt.
  6. Abstraktionsfähigkeit / logische Kontrolle: Sie beurteilen den logischen Zusammenhang von Aussagen.

Die Testperson erhält für jede Aufgabe eine Punktzahl von 0 bis 3, je nach Genauigkeit und Schnelligkeit der Antwort.
Die Durchführung dauert insgesamt 8 bis 10 Minuten und erfordert keine Hilfsmittel außer Stift und Papier.
In der neurologischen Praxis Willich führen wir die FAB regelmäßig durch, wenn der Verdacht auf frontal-betonte kognitive Defizite besteht, etwa bei auffälligem Sozialverhalten, Antriebslosigkeit oder verminderter Flexibilität im Denken und Handeln.
Wie wird das Ergebnis beurteilt?
Die Gesamtpunktzahl reicht von 0 bis 18 Punkten (6 Untertests × 3 Punkte).
Je höher der Wert, desto besser ist die exekutive Leistung.
Werte unter 12 Punkten gelten in der Regel als Hinweis auf eine frontal-exekutive Störung.
Neben der Gesamtsumme kann auch das Muster der Einzelleistungen Aufschluss über die Art der Störung geben:

  • Ein Defizit in der motorischen Programmierung deutet z. B. auf Störungen der supplementär-motorischen oder prämotorischen Areale hin.
  • Probleme bei Abstraktion und Flexibilität sprechen eher für eine präfrontale Dysfunktion.

In Ihrer Praxis in Willich interpretieren wir die FAB stets im Kontext anderer Testergebnisse, z. B. Aufmerksamkeits- und Gedächtnistests oder dem klinischen Eindruck. So lässt sich ein umfassendes Bild der exekutiven Kontrolle gewinnen.
Wie lange dauert der Test?
Die Durchführung dauert etwa 8 bis 10 Minuten, die Auswertung meist nur 2 bis 3 Minuten. Damit ist die FAB ideal geeignet für den Einsatz in der neurologischen Routine, beispielsweise im Rahmen einer Erstdiagnostik oder bei Verlaufskontrollen.
Welche Vorteile hat der Test?
Die FAB ist kurz, ökonomisch und klinisch sehr aussagekräftig.
Sie deckt alle zentralen Komponenten exekutiver Kontrolle ab – von Flexibilität über Inhibition bis zu Abstraktionsvermögen – und bietet so einen schnellen Überblick über die Funktionsfähigkeit des Frontalhirns.
Da sie leicht verständlich ist, kann sie auch bei älteren oder kognitiv leicht eingeschränkten Personen gut eingesetzt werden.
In der neurologischen Praxis Willich schätzen wir die FAB besonders, weil sie sich hervorragend zur Differenzierung zwischen frontalen und nicht-frontalen kognitiven Störungen eignet und als Verlaufsparameter gut geeignet ist.
Welche Grenzen hat der Test?
Die FAB ist ein Screening, kein umfassender neuropsychologischer Test.
Sie erfasst exekutive Leistungen auf globaler Ebene, erlaubt aber keine differenzierte Analyse einzelner Prozesse.
Auch kann sie bei Personen mit Aphasie, motorischen Einschränkungen oder schwerer Depression nur eingeschränkt angewendet werden.
Zudem ist sie empfindlich gegenüber Bildungseinflüssen – hochgebildete Patienten können Defizite leichter kompensieren.