NEUROLOGIE MIT HERZ
Modern. Ganzheitlich. Einfühlsam.

Früh erkennen. Voranschreiten verzögern. Begleitend behandeln.

Die Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) verfolgt immer das Ziel, die Krankheitsaktivität möglichst gut zu kontrollieren, Schübe zu verhindern und eine langfristige Verschlechterung zu vermeiden. Eine wichtige Behandlungsstrategie dabei ist die sogenannte ereignisgesteuerte Therapie. Diese wird vor allem dann angewendet, wenn die Erkrankung zu Beginn eher mild oder moderat verläuft. Doch was bedeutet das genau?

Bei der ereignisgesteuerten Therapie beginnt man zunächst mit einer Basistherapie, also einem Medikament, das das Immunsystem reguliert und Entzündungsaktivität reduziert, ohne sehr tief in das Immunsystem einzugreifen. Diese Basistherapien sind gut erprobt, haben ein günstiges Sicherheitsprofil und werden in der Regel über viele Jahre hinweg kontinuierlich eingenommen oder gespritzt. Zu diesen Medikamenten gehören Interferon-beta, Glatirameracetat, Teriflunomid sowie Fumarate wie Dimethylfumarat oder Diroximelfumarat.

Diese Behandlungsform trägt den Namen „ereignisgesteuert“, weil das weitere Vorgehen von bestimmten Ereignissen abhängt – vor allem davon, ob trotz Therapie neue Krankheitsaktivität auftritt. Ein „Ereignis“ kann zum Beispiel ein neuer Schub sein, also das Auftreten neuer neurologischer Symptome, die länger als 24 Stunden anhalten und nicht durch Fieber oder Infekte erklärbar sind. Ein Ereignis kann aber auch eine Veränderung im MRT sein, etwa neue entzündliche Herde oder wachsende Läsionen, die bei der Bildgebung sichtbar werden. Ebenso zählt eine langsam zunehmende körperliche Einschränkung, die durch regelmäßige Untersuchungen festgestellt wird, als Ereignis, das eine Therapieanpassung notwendig machen kann.

Solange unter der Basistherapie keine neuen Schübe auftreten, das MRT stabil bleibt und sich die körperlichen Fähigkeiten nicht verschlechtern, kann die Therapie in der Regel unverändert fortgeführt werden. Dies bedeutet, dass die Basistherapie ausreichend wirksam ist und die Erkrankung gut kontrolliert wird. 

Tritt jedoch ein Ereignis ein – also ein neuer Schub, eine neue MRT-Veränderung oder eine feststellbare Verschlechterung – wird die Therapie überprüft und gegebenenfalls eskaliert, das heißt, es wird auf ein wirksameres Medikament umgestellt. Diese nächste Therapielinie umfasst stärker wirksame Präparate, die gezielter in das Immunsystem eingreifen und die Krankheitsaktivität deutlicher unterdrücken können. Die ereignisgesteuerte Therapie erlaubt somit ein flexibles Vorgehen: Man beginnt mit einer schonenden Therapie und steigert die Intensität nur dann, wenn die Erkrankung dies erfordert.

Diese Vorgehensweise hat mehrere Vorteile. Sie vermeidet unnötige Belastungen durch hochwirksame Medikamente bei Menschen, deren Erkrankung möglicherweise über Jahre hinweg mild verläuft. Gleichzeitig stellt sie sicher, dass Patientinnen und Patienten, die eine intensivere Behandlung benötigen, diese auch zeitnah erhalten. Die regelmäßige Kontrolle der Krankheitsaktivität – klinisch und per MRT – ist dabei entscheidend, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Wichtig ist: Auch bei einer ereignisgesteuerten Therapie bleiben Sie als Patientin oder Patient aktiv einbezogen. Regelmäßige Besuche zur neurologischen Untersuchung, offene Rückmeldungen über neue Symptome und das Einhalten der empfohlenen MRT-Kontrollen tragen entscheidend dazu bei, dass die Therapie optimal auf Ihren Verlauf abgestimmt bleiben kann.

Zusammengefasst bedeutet die ereignisgesteuerte Therapie: Sie beginnen mit einer sicheren Basistherapie, und erst wenn Ihre MS neue Aktivität zeigt, wird die Behandlung intensiver gestaltet. Dieses Vorgehen vermeidet unnötige Risiken, schützt aber gleichzeitig vor unkontrollierter Krankheitsprogression. Das Ziel bleibt immer dasselbe: Ihre Erkrankung so gut wie möglich zu kontrollieren und Ihre Lebensqualität langfristig zu erhalten.